Dupuytrensche Erkrankung

Geschichte der Erkrankung
Die Dupuytren- Erkrankung ist seit ca. 400 Jahren bekannt. Bis vor ca. 200 Jahren wurde angenommen, dass die Erkrankung durch eine Schrumpfung von Sehnen verursacht wird.
Erst Ende des 18. Jahrhunderts, mit einer zunehmend anatomischen Betrachtung der Erkrankungen, zeigte sich, dass die Ursache der Erkrankung in Veränderungen von Bindegewebsstrukturen zwischen Haut und Beugesehne liegt.
Baron Guillaume Dupuytren (1777-1835) ein Pariser Chirurg, durchtrennte 1831 in einer Vorlesung über quere Hautschnitte die Stränge und konnte so die Hand seines Patienten wieder strecken.

Über die Ursache der Dupuytren-Erkrankung wissen wir wenig. Bekannt sind nur epidemiologische Daten. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Nordeuropäer erkranken häufiger als Südeuropäer, in Afrika und Asien ist die Erkrankung nahezu unbekannt. Eine familiäre Häufung ist bekannt.

Die Therapie
Da die Ursache der Erkrankung nicht bekannt ist, kann jede Therapie nur die Folgen der Erkrankung mindern oder beheben, nie aber die Erkrankung selber.
Wurde in den letzten Jahrzehnten nahezu ausschließlich operiert, haben sich in den letzten Jahren „sanftere“ Verfahren zur Behebung der Einschränkungen etabliert.
Wir möchten Ihnen im Folgenden die unterschiedlichen Verfahren und ihre Vor- und Nachteile kurz vorstellen.

Es handelt sich um die
- Operation
- PNF (Perkutane Nadelfasziotomie)
- Kollagenaseinjektion
- Strahlentherapie

Wichtig ist, dass der Arzt, nach einem Gespräch und einer Untersuchung ihrer Hand, das für sie optimale Verfahren empfiehlt.

Die Operation
Bei der Operation wird versucht, das befallene Bindegewebe zu entfernen und den Finger zu begradigen. Die Operation erfolgt in der Regel in Plexusanästhesie (Oberarmbetäubung).
Die Indikation besteht bei allen fortgeschrittenen Funktionsstörungen der Hand, insbesondre bei Rezidiven (Wiederauftreten).
Der Vorteil besteht darin, dass die Erfahrungen mit der Operation von allen Verfahren am größten sind. Abhängig vom Stadium der Erkrankung kann man eine komplette oder weitgehende Wiederherstellung der Funktion erreichen.
Die Nachteile der Operation sind die allgemeinen Operationsrisiken, wie Nachblutung, Infektion, Bewegungseinschränkung, Nervenverletzung, die aber in der Hand des erfahrenen Operateurs selten sind.
Es kann trotzdem früher oder später zu einem Fortschreiten der Erkrankung kommen. Dies kann dann eine erneute Operation erfordern.
Bei fortgeschrittenen Erkrankungen und Rezidiven ist die Operation das Mittel der Wahl.

Auch hochgradige und mehrfache Rezidive, können häufig noch funktionell befriedigend korrigiert werden.

PNF (Perkutane Nadelfasziotomie)
Hierbei wird das Stranggewebe in örtlicher Betäubung mit einer feinen Nadel durchlöchert und durchtrennt.
Die Indikation besteht bei Strangbildungen mit funktionellen Einschränkungen (krumme Finger) die sich weitgehend auf die Grundgelenke beschränken ohne Voroperationen. Die Veränderungen dürfen nicht zu ausgeprägt sein.
Der Vorteil besteht darin, dass der Patient mit einem minimalen Eingriff, der einer Spritze vergleichbar ist, sofort eine Besserung der Funktion hat.
Nachteil dieses Verfahrens ist, dass der Patient für 4-6 Monate eine Nachtlagerungsschiene tragen muss, um eine erneute Verkrümmung zu vermeiden. In einzelnen Fällen kann es zu Infektionen kommen. Hautzerreissungen heilen häufig von selbst. Verletzungen der Fingernerven mit Gefühlsstörungen sind möglich.

Wieviele Patienten von diesem Verfahren profitieren, ist nicht bekannt. Die eigenen Erfahrung damit sind jedoch so gut und umfangreich, dass man in ausgesuchten Fällen dieses Verfahren empfehlen kann. Es kann trotzdem früher oder später zu einem Fortschreiten der Erkrankung kommen. Dies kann dann eine Operation erfordern.

Kollagenaseinjektion
Hierbei wird in das Stranggewebe in örtlicher Betäubung mit einer feinen Nadel ein Medikament injiziert. Dieses Medikament (Kollagenase) soll den Strang auflösen. Nach einem Tag wird der Finger dann gerade gebogen. Die Behandlung ist relativ neu und das Medikament erst seit wenigen Wochen ( Stand Juni 2011) in Deutschland zugelassen. Im Prospekt der Firma steht: " Im klinischen Entwicklungsprogramm von XIAPEX (n =1082) traten bei fast allen Patienten unerwünschte Ereignisse auf, die mit der Verabreichung von XIAPEX und/oder der passiven Extension des Fingers zum Aufbrechen des Strangs assoziert waren."
Aus unserer Sicht wird man die weitere Entwicklung abwarten müssen. Wir werden die Injektion nur bei ausdrücklichem Wunsch des Patienten vornehmen.


Strahlentherapie
Bei der Strahlentherapie werden die befallene Region und ein definiertes Feld darum mit Röntgenstrahlen bestrahlt.
Die Indikation zur Bestrahlung besteht nur in ganz frühen Stadien der Erkrankung. Es dürfen noch keine Bewegungseinschränkungen vorhanden sein. Die Erkrankung muss Probleme verursachen. Bei einer zweimaligen Untersuchung in einem Abstand von 3 Monaten muss eine Zunahme erkennbar sein.
Vorteil ist, dass sich der Patient nicht operieren lassen muss. Die Bestrahlung ist schmerzfrei.
Nachteile der Bestrahlung sind eine relativ aufwändige Behandlung, da die Bestrahlungen in mehreren Sitzungen mit einer längeren Pause dazwischen angewendet werden. Es kann zu einer dauerhaften Schädigung der Haut mit Trockenheit und Jucken kommen. Die Anwendung von Strahlen kann eventuell zur Bildung von bösartigen Veränderungen führen. Bis jetzt sind solche Folgen noch nicht bekannt.
Viele Patienten profitieren bei richtiger Indikation von diesem Verfahren. Es kann trotzdem früher oder später zu einem Fortschreiten der Erkrankung kommen. Dies kann dann eine Operation erfordern.

Diese Informationen stehen Ihnen auch in unserem Newsletter HandBrief (Dupuytrensche Erkrankung) zur Verfügung. Bitte nutzen Sie die Möglichkeit zum Download ein paar Zeilen weiter unten.

>> Dupuytrensche Erkrankung    [pdf-Datei; 0.25 MB]

 

Informationen zum Morbus Dupuytren und Austausch mit Patienten unter:

www.dupuytren-online.de

Prof. Dr. Peter Hahn

Prof. Dr. Peter Hahn
Chefarzt Handchirurgie

Tel. 0 72 64 / 60 133
Fax 0 72 64 / 60 257

Kontakt

 
Prof. Dr. Frank Unglaub

Prof. Dr. Frank Unglaub
Co-Chefarzt Handchirurgie

Tel. 0 72 64 / 60 133
Fax 0 72 64 / 60 257

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